Immer der Nase nach
 

Jörg Zimmermann war noch ein kleiner Junge, da entdeckte sein Großvater schon seltsame Züge an ihm. Wenn jemand dem Fünfjährigen die Hand gab oder er eine Türklinke angefasst hatte, musste er an seinen Fingern riechen. Auf der Straße saugte er die Düfte der Parfums von Passanten auf und versuchte, die Menschen einzuordnen. Parallelen zum Roman von Patrick Süßkind entstehen, wenn Parfumeur Jörg Zimmermann aus seinem Leben erzählt. Klar, dieses Buch hat er als Jugendlicher Seite für Seite verschlungen. „Geruch ist ein faszinierender Aspekt der Wahrnehmung“, sagt der 35-Jährige. Wie Jean-Baptiste Grenouille in „Das Parfum“ hat auch Zimmermann einen Traum: den Duft kreieren, der die Sinne der Menschen berührt, der sie verändert, der vielleicht eine friedvolle Welt schafft.

 

 

Jörg Zimmermann hat seinen Arbeitsplatz ganz oben unter dem Dach der WALA Heilmittel GmbH. Dort findet er die nötige Ruhe, um alle Sinne zu stimulieren. In seinem Kopf entstehen die Düfte, die den Dr.Hauschka Kosmetikpräparaten ihreindividuelle Note verleihen. „Jedes Produkt ist anders, deshalb braucht jedes seineeigene Aussage.“ Bei Dr.Hauschka Kosmetik werden ausschließlich natürliche Stoffe verwendet, die den hohen Ansprüchen und der Unternehmensphilosophie genügen. „Meine Aufgabe ist es, durch die Duftkreationen diese Werte zu transportieren.“ Keiner der menschlichen Sinne ist so alt und so direkt mit dem limbischen System gekoppelt wie der Geruchssinn. „Vieles hängt mit dem Gedächtnis zusammen und mit Emotion“, sagt Jörg Zimmermann. Darüber hinaus spielen auch kulturelle Prägungen eine Rolle. Mit Düften kann man eine Zeitreise erleben, kann längst Vergessenes wieder wachrufen. Nichts löst mehr spontane Anziehung oder Ablehnung aus als Düfte – sie sind verschlüsselte Botschaften, die unsere Umgebung aussendet. Zu allen Zeiten stand die Magie der Düfte im Mittelpunkt, wurde der sinnliche Zauber von Düften geliebt. Der „Herr der Düfte“ bei der WALA ist diesem Zauber verfallen, solange er denken kann. Deshalb war es schon immer sein Wunsch, mit Düften zu arbeiten.Es ist ein Wesenszug von Jörg Zimmermann, Ziele leidenschaftlich und mit Ausdauer zu verfolgen. „Diese Fähigkeiten braucht man als Parfumeur. Man muss immer am Ball bleiben, darf sich durch fehlgeschlagene Versuche nicht entmutigen lassen. “ Bis ein neuer Duft kreiert ist, vergehen Monate, manchmal Jahre. Viele hundert Formeln schreibt der 35-Jährige nieder, um sie dann wieder zu verwerfen.Von 100 Duftkreationen werden vielleicht zwei umgesetzt. „Wichtig ist die Fähigkeit, analytisch riechen zu können“, sagt der Mann mit den kurzen, mit Gel in Form gebrachten Haaren. Er zerlegt ein Parfum mit der Nase in seine Bestandteile und erkennt so, welche Inhaltsstoffe das harmonische Duftempfinden stören, welche Mengen erhöht oder reduziert, welche Substanzen hinzugefügt oder entfernt werden müssen „Jeder Duft besitzt Kopf-, Herz- und Basisnoten“, erklärt Jörg Zimmermann. Die Kopfnote vermittelt einen ersten Eindruck, ist sozusagen die Einleitung in das Parfum. Darauf folgt die Herznote, die das Thema des Duftes beinhaltet und formgebend wirkt. Die dritte und abschließende Duftnote ist die Basisnote. Sie lässt das Erleben wie bei einer Sinfonie in einem ergänzenden Finale ausklingen. „Die Kunst besteht darin, diese drei Teile zu harmonisieren, sie in einen zeitlichen und räumlichen Ablauf zueinander zu bringen.“

Bei seiner Arbeit braucht der 35-Jährige absolute Ruhe. Nur so kann er alle Sinne stimulieren, kann Bilder aus seinem Gedächtnis abrufen. Denn die Kreation eines Odeurs ist mehr als die Mixtur der Rohstoffe. Er verbindet die Gedankenwelt mit der Gefühlswelt. Jörg Zimmermann komponiert, hört innerlich Musik, spürt eine wundersame Leichtigkeit. Wie ein Maler, der das Bild vor Augen hat, das er zu malen gedenkt, kreiert er das Parfum zuerst im Kopf. Er sucht nach Grundakkorden, bereits gemischten, einzelnen Duftkomponenten für eine Grundrichtung. Und dann beginnt alles zu fließen. Aus diesem Fluss entwickeln sich Formeln, die er in den Computer schreibt – der nüchterne Teil seines Schaffens. Jetzt zieht der Parfumeur die Register seiner Duftorgel. So heißt die Sammlung an ätherischen Ölen, aus denen er die Grundbestandteile für einen Duft auswählt. Etwa 200 Substanzen stehen ihm zur Verfügung, davon verwendet Zimmermann unterschiedlich viele für eine Kreation. Den eher handwerklichen Aspekt der Parfumentwicklung kann man lernen – die Gabe, Düfte zu komponieren, muss einem angeboren sein. Jörg Zimmermann besitzt sie. „Nur wusste ich zunächst nicht, welchen Weg ich gehen muss, um meine Fähigkeiten professionell umzusetzen“, erinnert er sich. Also studierte er Kunst und Kulturpädagogik,schärfte seine künstlerischen, literarischen und musikalischen Sinne. Einen klassischen Ausbildungsgang zum Parfumeur gibt es nicht – weder in Deutschland noch im Ausland. Allerdings gilt Frankreich als Mutterland des Parfums. So machte sich Jörg Zimmermann im Alter von 30 Jahren auf den Weg nach Südfrankreich – genauer nach Grasse, dem Zentrum der Düfte. Bereits im 17. Jahrhundert wurden in dem Ort unweit der Côte d`Azur Handschuhe parfümiert. Am Grasse Institute of Perfumery studierte Zimmermann, der in Tettnang geboren und in Baden- Baden aufgewachsen ist, von 2004 bis 2006 und arbeitete danach mit großen Parfumeuren zusammen.

Seit nunmehr zwei Jahren ist er für die WALA Heilmittel GmbH tätig – und setzt dort eine Tradition fort. Das Unternehmen hat noch nie Düfte eingekauft, sondern diese stets selbst entwickelt. „Unsere Produkte erhalten so ihren unverwechselbaren Charakter“, unterstreicht Zimmermann. In den Dr.Hauschka Kosmetikpräparaten werden keine synthetischen Duftstoffe verarbeitet, obwohl diese zuhauf am Markt erhältlich sind. „Wir verwenden ausschließlich natürliche ätherische Öle von sehr hoher Qualität.“ Jörg Zimmermann ist überzeugt: „Unsere Kunden spüren diese Einzigartigkeit, dieses fundierte Wissen, das in unseren Produkten steckt. Die Seele spürt es, und so kann sie – kann der ganze Mensch – regenerieren.

   
Thomas Weilacher